Flüge mit Kindern planst du am besten nach Alter: Ein Baby auf dem Schoß folgt anderen Regeln als ein Schulkind mit eigenem Sitzplatz. Die Unterschiede stecken im Tarif, beim Gepäck und bei der Sitzplatzwahl – wer sie vor der Buchung kennt, bucht ruhiger und zahlt seltener drauf.
Babytarif oder Kindertarif: der Unterschied
Airlines teilen ihre jüngsten Passagiere in zwei Gruppen. Als Baby gilt ein Kind in der Regel bis zum zweiten Geburtstag, als Kind danach bis etwa zum zwölften Geburtstag. Die genauen Grenzen legt jede Airline selbst fest, deshalb lohnt vor der Buchung ein Blick in die Tarifbedingungen.
- Babytarif: Das Baby reist ohne eigenen Sitzplatz auf dem Schoß eines Erwachsenen. Für Start und Landung gibt es einen Zusatzgurt, der am Sicherheitsgurt des Erwachsenen befestigt wird. Freigepäck ist meist knapp, ein Kinderwagen wird oft zusätzlich befördert.
- Kindertarif: Das Kind bekommt einen eigenen Sitz. Der Flugpreis ist häufig ermäßigt, Steuern und Gebühren fallen aber in voller Höhe an. Gepäck und Sitzplatzwahl richten sich nach dem gebuchten Tarif.
- Begleitung: Babys reisen nie allein. Viele Airlines erlauben nur ein Baby pro Erwachsenen, teilweise verlangen sie für ein zweites Baby eine zweite Begleitperson.
Diese Regeln stehen in den Beförderungsbedingungen, nicht in der Suchmaske. Wer sie übergeht, erfährt es erst am Check-in.
Sitzplätze: zusammen, ruhig, weg von der Toilette
Die Sitzplatzwahl ist bei Familien der größte Hebel für einen entspannten Flug – und der Punkt, an dem Billigtarife teuer werden.
- Bucht die Plätze zusammen und prüft vorher, ob die Airline Familien automatisch nebeneinander setzt oder ob ihr die Auswahl bezahlt.
- Ein Fensterplatz ist für Kinder spannender, ein Gangplatz praktischer, wenn ihr oft aufstehen müsst.
- Reihen an der Wand bieten mehr Beinfreiheit und Platz für eine Babywiege. Sie sind begrenzt, oft Familien vorbehalten und schnell weg.
- Meidet Plätze direkt an der Bordküche oder an der Toilette, wenn euer Kind schlafen soll.
Babywiegen gibt es nur in größeren Flugzeugen und nur bis zu einem bestimmten Gewicht des Babys. Reserviert sie möglichst direkt nach der Buchung, telefonisch oder im Kundenportal der Airline.
Gepäck: Kinderwagen, Autositz, Handgepäck
Der Kinderwagen ist das größte Familienthema am Flughafen.
- Kinderwagen: Auf den meisten Flügen dürft ihr ihn bis zum Gate nutzen und dort abgeben. Ob ihr ihn am Flugzeug oder erst am Gepäckband zurückbekommt, hängt vom Flughafen ab. Ein faltbarer Buggy ist unterwegs meist die einfachere Wahl.
- Autositz: Er lässt sich oft kostenlos als Aufgabegepäck mitnehmen oder an Bord nutzen, wenn ein eigener Sitzplatz gebucht ist. Für die Nutzung im Flugzeug braucht der Sitz eine entsprechende Zulassung.
- Handgepäck: Ob Kinder eigenes Freigepäck haben, regelt der Tarif. Prüft das, bevor ihr packt, sonst wird am Gate nachgezahlt.
- Babynahrung: Milch, Brei und abgekochtes Wasser dürfen in größeren Mengen durch die Sicherheitskontrolle. Legt sie getrennt und sichtbar in die Kiste.
- Flüssigkeiten für Erwachsene bleiben wie gewohnt begrenzt.
Am Flughafen: Zeit, Kontrolle, Boarding
- Plant mehr Zeit ein als ohne Kinder. An großen Flughäfen sind die Wege lang, und mit Buggy und Taschen dauert alles länger.
- Viele europäische Flughäfen haben Familien- oder Priority-Spuren an der Sicherheitskontrolle. Fragt danach, wenn ihr sie nicht sofort findet.
- Familien mit kleinen Kindern dürfen meist zuerst einsteigen. Das entlastet, weil ihr in Ruhe an die Plätze kommt.
- Wickelräume und Stillbereiche gibt es an den meisten Flughäfen, Spielbereiche oft in der Nähe der Gates.
- Leere Trinkflaschen lassen sich nach der Kontrolle mit Leitungswasser auffüllen.
Im Flugzeug: Ohren, Essen, Beschäftigung
- Druckausgleich: Beim Start und bei der Landung helfen Stillen, Flasche, Schnuller oder Kauen. Ein Schluck Wasser tut es bei größeren Kindern auch.
- Essen: Bestellt Kinder- oder Babymahlzeiten früh mit, sie sind oft vorab ausgebucht. Snacks und Wasser für zwischendurch gehören ins Handgepäck.
- Beschäftigung: Heruntergeladene Filme, kindgerechte Kopfhörer, Malbuch, Sticker und ein kleines Lieblingsspielzeug überbrücken die Zeit besser als das Bordprogramm.
- Kleidung: Zwiebelprinzip und ein Satz Wechselkleidung für die Kleinsten. Die Kabine ist kühl, der Weg zum Gate oft warm.
- Schlafen: Nachtflüge klingen praktisch, bringen aber nur etwas, wenn euer Kind ohnehin durchschläft.
Wann buchen und worauf achten
- Bucht früh, wenn ihr zusammen sitzen wollt. Familienreihen und Babywiegen sind begrenzt.
- Außerhalb der Schulferien und unter der Woche sind Flüge meist günstiger und ruhiger, in den Ferien ist der Andrang am größten.
- Direktflüge sind mit Kindern fast immer die bessere Wahl, auch wenn sie mehr kosten. Umsteigen mit Buggy, Gepäck und müden Kindern kostet Nerven.
- Vergleicht nicht nur den Flugpreis, sondern den Gesamtpreis: Sitzplatzwahl, Aufgabegepäck, Kinderwagen und Verpflegung. Ob Ryanair, easyJet, Lufthansa oder KLM – jede Airline regelt das anders.
- Achtet auf die Uhrzeit: Ein Flug am frühen Morgen klingt günstig, bedeutet aber eine sehr frühe Anreise mit Kindern.
Dokumente und Gesundheit
- Jedes Kind braucht ein eigenes Reisedokument, auch Babys. Prüft die Gültigkeit rechtzeitig, denn die Ausstellung dauert.
- Für Reisen außerhalb der EU gelten oft eigene Regeln und Fristen für Kinderdokumente.
- Medikamente gehören ins Handgepäck, am besten mit ärztlicher Bescheinigung.
- Eine Reiseversicherung, die Kinder mit abdeckt, ist bei Auslandsreisen sinnvoll.
Checkliste vor dem Abflug
- Tarif geprüft: Baby oder Kind, Sitzplatz, Gepäck, Kinderwagen.
- Plätze zusammen reserviert, Babywiege angefragt.
- Reisedokumente aller Kinder gültig.
- Babynahrung, Snacks und leere Trinkflaschen eingepackt.
- Beschäftigung für den Flug heruntergeladen.
- Wechselkleidung und eine leichte Jacke im Handgepäck.
- Autositz oder Buggy geklärt: mitnehmen, aufgeben oder am Gate abgeben.
Mit dieser Vorbereitung sind Flüge mit Kindern vor allem eines: berechenbar.